19
Sep 2017

Stand der Dinge auf dem Weg zum EPD - Beitrag 1

Das elektronische Patientendossier kommt. Wie niedergelassene Ärzte sich darauf vorbereiten sollten, erfahren Sie in unserer neuen vierteiligen Artikelserie.

Bei allen technologischen Errungenschaften im Bereich der Medizin steht die digitale Transformation im Schweizer Gesundheitswesen noch am Anfang. Die Behandlungskette des Patienten ist gekennzeichnet von Datenbrüchen. Mehr als 98 Prozent der niedergelassenen Ärzte empfangen und übermitteln medizinische Befunde noch immer per E-Mail oder Fax – selbst jene, die ihre Krankengeschichte elektronisch führen.

Einer aktuellen Studie zufolge, die das Winterthurer Institut für Gesundheitsökonomie und das Zentrum für Sozialrecht im Auftrag von Swisscom durchgeführt hat, entstehen im Schweizer Gesundheitswesen pro Jahr rund 1,5 Mio. Gigabyte digitaler Gesundheitsdaten. Prognosen gehen davon aus, dass dieses Datenvolumen mit dem Einsatz neuer Technologien in den kommenden Jahren rund zehnmal schneller zunehmen wird als über sämtliche Branchen hinweg. Doch während Kantone, Spitäler und die grossen Player der eHealth-Branche die Digitalisierung vorantreiben, füllen die analogen Daten, die gleichzeitig anfallen, immer noch rund 300 Millionen Blatt A4-Papier pro Jahr – 43 Prozent davon bei den niedergelassenen Ärzten. 

 

Stand der Digitalisierung in den Arztpraxen 

Die Verarbeitung medizinischer Leistungen geschieht heute in den meisten Arztpraxen elektronisch. Der Versand von Rechnungen auf digitalem Weg ist zur Commodity geworden. Doch in vielen Praxen wird der Computer ausschliesslich für administrative Zwecke eingesetzt. Gemäss der zweiten SISA-Studie von 2014 zum Status quo der IT-Nutzung in Schweizer Arztpraxen hat der Anteil Praxen mit elektronischer Krankengeschichte zwischen 2007 und 2013 zwar um 23,5 % zugenommen. Dennoch führt nicht einmal die Hälfte aller Praxisärzte die Krankengeschichte digital. Der Anteil jener Praxen, die in der Laborverwaltung komplett elektronische Prozessketten vorzuweisen haben, erwies sich mit 3 % als verschwindend klein. Die Anzahl Ärzte, die Befundberichte ausschliesslich elektronisch austauschen, offenbarte sich mit weniger als 2 % als noch geringer. Brief oder Fax sind die Hauptkommunikationsmittel der Arztpraxis geblieben – sogar wenn die Krankengeschichte elektronisch geführt wird. eHealth-Ready

Datenbrüche müssen geschlossen werden 

Das neue KVG und der TARMED-Tarif haben anfangs der 2000er-Jahre zu einer Standardisierung der Praxisadministration geführt. Nun wurde das EPDG eingeführt, damit zukünftig auch medizinische Daten maschinenlesbar erfasst, verarbeitet und ausgetauscht werden. Nur wenn diese Daten strukturiert ins elektronische Patientendossier übertragen werden, lassen sich die Ziele des neuen Gesetzes erreichen: die Behandlungsqualität anheben, die Behandlungsprozesse verbessern und die Effizienz des Gesundheitssystems steigern. Das EPD unterstützt ihre Gesundheitskompetenz.

 

Nicht zu verwechseln: EPD und eKG 

Das elektronisches Patientendossier (EPD) und elektronische Krankengeschichte (eKG) dürfen nicht miteinander verwechselt werden. Es handelt sich um grundsätzlich verschiedene digitale Akten. Während die eKG das persönliche Arbeitsinstrument des Arztes zur Dokumentation der Behandlung seines Patienten ist, handelt es sich beim EPD um das persönliche Dossier des Patienten, wo ausgewählte Gesundheitsdaten unterschiedlicher Herkunft abgelegt werden. Sinn und Zweck ist die Verbesserung der medizinischen Behandlungsprozesse. Das EPD dient dezentralen Leistungserbringern als Datenquelle und ermöglicht den schnellen Zugriff auf lebenswichtige Informationen in Notfällen. Die Herausforderung für den niedergelassenen Arzt besteht nun darin, seine eKG so zu führen, dass die für das EPD relevanten Informationen effizient und möglichst ohne Mehraufwand übertragen werden können.  

 

Einführung ab nächstem Jahr 

Ab Frühling 2018 kann jeder Bürger freiwillig ein EPD eröffnen. Jeder Patient muss dazu seine schriftliche Einwilligung geben. Bei Eröffnung eines neuen Dossiers wird dem Patienten eine eindeutige Patientenidentifikationsnummer zugeteilt. Daten aus der eKG des Arztes können für den späteren Zugriff  ins Patientendossier gestellt werden. Die Datenhoheit über sein Dossier hat der Patient. Er bestimmt, welche Informationen der Arzt ins EPD überführt (Röntgenbilder, Impfausweis, Allergiepass, Rezepte oder Austrittsberichte aus stationären Einrichtungen) und wer darauf die Zugriffsrechte erhält – auch welche Daten im Notfall abgerufen werden dürfen. 

 

Als amétiq-Kunde brauchen Sie sich jetzt noch nicht den Kopf darüber zu zerbrechen. Über die amétiq cloud werden Sie Schritt für Schritt an das EPD herangeführt. 

 

Lesen Sie im nächsten Beitrag dieser Serie, warum es zur Verwirklichung von eHealth eine standardisierte elektronische Krankengeschichte braucht. 

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